ARCHITEKTUR & NATUR

Der „Große Karl“ in Kaltenkirchen

Ein Projekt für den Kunstunterricht von Linus Jebens, Q.1.2

Der „Große Karl“ ist ein 14-stöckiges Hochhaus in Kaltenkirchen, das ursprünglich gebaut worden war, um Wohnraum in der Nähe des Flughafens Kaltenkirchen zu schaffen, der in den 70er-Jahren gebaut werden sollte, aber über das Planungsstadium nie hinauskam. Seitdem steht der „Große Karl“ immer wieder aufgrund von Verkommenheit in den Negativ-Schlagzeilen der regionalen Zeitungen. Von den Kieler Nachrichten wird er beispielsweise als „Kaltenkirchens Schandfleck“ bezeichnet. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden dieses Gebäude mit der Natur zu verbinden und es besser in der Umgebung zu integrieren.

Zunächst galt es herauszufinden, inwiefern eine solche Idee umsetzbar ist. Laut der Kaltenkirchener Stadtverwaltung sei es möglich die Außenwände des „Großen Karls“ zu bepflanzen. Eine Erweiterung der Balkone sei hingegen nicht möglich, weshalb ich mich dazu entschlossen habe die Balkone zu entfernen und durch große Fenster zu ersetzen. Diese ermöglichen, ebenso wie die Balkone, eine gute Aussicht.

Als Vorbild dient vor allem Patrick Blanc, der als Pionier der vertikalen Gärten gilt. Er hat schon viele senkrechte Gärten entworfen und ein kompliziertes System entwickelt. Zunächst wird ein Leichtmetallgerüst an den Hauswänden angebracht, auf das Hartschaumplatten aus Polyvinylchlorid montiert werden. 

Diese PVC-Platten werden anschließend mit einem doppelt gelegten Filz aus recycelten Acryl-Fasern aus Altbekleidung bedeckt. Dieser Filz besteht aus dicht verschlungenen Fäden, die Wasser speichern können und besonders haltbar sind. Über den Filz wird ein grobmaschiges Gitter gelegt, indessen Zwischenräume Taschen geschnitten werden. Zwischen den beiden Filzschichten können in den Taschen Farne, Gräser, Mose und sogar kleine Büsche Wurzeln schlagen und wachsen. Um Schimmelbildung an der Hauswand zu vermeiden, ist es sehr wichtig, das Metallgerüst zur Wand hin zu isolieren. Außerdem muss ein kleiner Abstand zur Mauer gelassen werden, damit noch etwas Luft zirkulieren kann. Hinter dem Gerüst wird ein Schlauchsystem, das mit Hilfe von Zeitschaltuhren und Wasserpumpen die Pflanzen bewässert und mit Nährstoffen versorgt, hindurchgeführt. Zusätzlich müssen Gärtner beschäftigt werden, die die Pflanzen überwachen und regelmäßig beschneiden, ggf. sogar austauschen. Bei einer Höhe von 42m, wie beim „Großen Karl“, ist es notwendig die Gärtner vom Dach aus abzuseilen. Weil die Winter in Deutschland kalt sind, empfiehlt der Botaniker robuste Pflanzen wie Zwergkoniferen, Gräser, Moos, aber auch Staudengewächse. Grundsätzlich seien  heimische Pflanzen an normalen Außenwänden sinnvoll. Des Weiteren sollte sich unterhalb des Gerüstes eine Rille, durch die das überschüssige Wasser ablaufen kann, befinden. Um den Wasserverbrauch zu senken, wird das Regenwasser auf dem Dach vom „Großen Karl“ gesammelt, was für die Bewässerung der Pflanzen genutzt werden kann.

Mit einer weitläufigen Begrünung durch eine Parkanlage um das Gebäude, mit zum Teil höheren Bäumen und eventuell einem kleinen See, könnte das Gebiet weiter aufgewertet werden. Leider ist dies durch die derzeitige Bebauung nicht möglich.